Null-Prozent-Finanzierung – auf diese Stolpersteine achten

Null-Prozent-Finanzierung – auf diese Stolpersteine achten! 

Es ist keineswegs neu, dass Händler Ratenzahlung anbieten. Schon seit jeher werben Unternehmen damit, dass Kunden ihren Einkauf in bequemen Raten bezahlen können.

Oft wurde und wird der Kauf auf Pump zudem mit einer Zahlpause versüßt. Die erste Rate wird dadurch nicht gleich, sondern erst nach beispielsweise drei oder sechs Monaten fällig. 

In wirtschaftlich schwierigen und finanziell unsicheren Zeiten holt der Handel aber noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel. So werden Kunden immer häufiger mit einer Null-Prozent-Finanzierung gelockt. Was auf den ersten Blick tatsächlich überaus verlockend erscheint, kann bei genauerem Hinsehen aber durchaus seine Tücken haben.

Auf welche Stolpersteine es zu achten gilt, damit die als zinslos angedachte Finanzierung nicht zum teuren Vergnügen wird, erklärt die folgende Übersicht: 

Null-Prozent-Finanzierung – wie sie funktioniert

Entscheidet sich ein Kunde dafür, das Angebot einer Null-Prozent-Finanzierung in Anspruch zu nehmen, schließt er einen Vertrag über einen Ratenkredit ab. Sein Vertragspartner ist dabei aber nicht der Händler, bei dem er die Waren gekauft hat, sondern eine Bank, die der Händler zuvor ausgesucht hat. Der Kredit wird mit einer festen Laufzeit vereinbart.

Meist beträgt die Laufzeit sechs bis zwölf Monate, es gibt aber auch Offerten, die Laufzeiten von 18, 30 und mehr Monaten vorsehen. Üblicherweise ist ein Ratenkauf zudem an eine Mindestkaufsumme gebunden. Das bedeutet, der Kunde kann die Finanzierung erst dann in Anspruch nehmen, wenn sein Einkauf einen bestimmten Wert übersteigt.

Bei einigen Händlern beläuft sich die Mindestkaufsumme auf 100 oder 150 Euro, andere Händler steigen erst ab 300 oder 400 Euro in Finanzierungsangebote ein. Hinzu kommt, dass ein Vertrag generell erst dann wie vereinbart zustande kommt, wenn die Bonitätsprüfung des Kunden positiv verlaufen ist. 

Null-Prozent-Finanzierung – nicht auf Werbemaschen reinfallen!

Händler bieten Null-Prozent-Finanzierungen nicht deshalb an, weil sie ihren Kunden unbedingt etwas Gutes tun möchten. Null-Prozent-Finanzierungen sind nichts anderes als ein Marketinginstrument, das zum Einsatz kommt, um die Umsätze anzukurbeln. Die Bank, die die Darlehen zur Verfügung stellt, möchte ebenfalls etwas an den zinsfreien Krediten verdienen. Deshalb wird sie entsprechende Vereinbarungen mit dem Händler treffen.

Für den Kunden bedeutet das, dass er den Preis für sein Wunschprodukt unbedingt mit den Preisen bei anderen Anbietern vergleichen sollte. Schlägt der Händler die Kosten für die Null-Prozent-Finanzierung nämlich auf den Verkaufspreis der Ware auf, kann das vermeintliche Sonderangebot schnell teurer sein als bei der Konkurrenz.

Es gibt aber noch eine andere Marketingmasche, auf die Kunden gerne hereinfallen. So wird in Werbeprospekten mitunter mit kleinen Rotstiftpreisen geworben. Der Bar-Abholpreis für einen schicken Fernseher beträgt dann gerade einmal knapp 50 Euro, die topmoderne HiFi-Anlage gibt es schon für unter 20 Euro. Das kleine Sternchen neben dem Preis verrät, dass es sich bei diesen Preisen um die Raten handelt, die in den nächsten Monaten fällig werden. Darunter wiederum ist der Preis angegeben, den das Produkt tatsächlich kostet.

Eigentlich ist eine solche Werbung nicht zulässig, denn die Preisangabenverordnung sieht vor, dass nicht die Monatsraten, sondern immer der Endpreis hervorgehoben werden müssen. Geschickte Marketingexperten wissen aber durchaus, wie sie die Aufmerksamkeit auf die verführerischen Mini-Preise lenken können. Manchmal kommt noch eine weitere Werbestrategie zum Einsatz.

So wird damit geworben, dass das Produkt zu diesem Preis und diesen Finanzierungskonditionen nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung steht, beispielsweise weil es sich um das Angebot der Woche oder das Angebot des Monats handelt. Um sich das Angebot zu sichern, muss der Kunde folglich schnell zugreifen. Teilweise beziehen sich die Angebote auch auf bestimmte Warengruppen. Kauft der Kunde beispielsweise eine Couchlandschaft, erhält er Sessel und Couchtisch mit einem satten Rabatt und natürlich ebenfalls in die Null-Prozent-Finanzierung integriert. 

Null-Prozent-Finanzierung – auf Zusatzkosten achten!

Viele achten bei einer Null-Prozent-Finanzierung nicht so sehr auf das Kleingedruckte. Gerade hier sind aber oft die Zusatzkosten aufgeführt, durch die die Finanzierung zwar zunächst zinsfrei, aber eben nicht kostenlos ist. So fordern einige Anbieter eine einmalige Gebühr, die für die Einrichtung und das Führen des Kreditkontos fällig wird.

Andere Anbieter stellen eine einmalige Bereitstellungsgebühr oder gar eine monatliche Bearbeitungs- und Servicepauschale in Rechnung, bei wieder anderen Anbietern ist von sonstigen Kosten die Rede.  Satte Zusatzkosten drohen außerdem dann, wenn der Kunde zusammen mit dem Ratenvertrag auch eine Restschuldversicherung abschließt.

Eine solche Police wird bei einer Kreditvergabe von Banken sehr gerne angeboten, ist jedoch nicht nur teuer, sondern in den meisten Fällen schlichtweg überflüssig.  

Null-Prozent-Finanzierung – nicht in die Schuldenfalle tappen!

Sicherlich ist nichts dagegen einzuwenden, eine größere Anschaffung per Ratenkauf zu tätigen, wenn die finanzielle Ausgangslage stabil ist. Allerdings unterschätzen viele das Risiko, die Übersicht zu verlieren und in die Schuldenfalle zu tappen. Gerade wenn mehrere Finanzierungen gleichzeitig laufen, kann schnell eine ordentliche Summe pro Monat zusammenkommen, auch wenn die Raten jeweils für sich alleine gesehen gering sind.

Wer sich dann kurzfristig damit behilft, das Konto zu überziehen, wandelt seinen ursprünglichen Null-Prozent-Kredit in einen sehr teuren Kredit um, denn die Zinsen für den Dispo belaufen sich in aller Regel auf deutlich über zehn Prozent.

Kann der Kunde die Kreditraten nicht mehr bedienen, kann die Bank auch eine Null-Prozent-Finanzierung aufkündigen und die noch offene Summe als sofortige Einmalzahlung fordern. Neben Mahnkosten und Verzugszinsen droht in diesem Fall dann auch noch ein negativer Schufa-Eintrag.

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