Was ist ein Beamtenkredit?

Was ist ein Beamtenkredit?

Wer sich auf den Internetseiten von Banken und auf Vergleichsportalen umschaut, trifft mitunter auf ein Produkt namens Beamtenkredit. Was es damit auf sich hat, erklären wir in diesem Beitrag.

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Was ist ein Beamtenkredit

Was ist ein Beamtenkredit?

Beim Beamtenkredit handelt es sich nicht um eine eigenständige Kreditart. Vielmehr ist der Beamtenkredit zunächst ein ganz normaler Ratenkredit.

Die Besonderheit liegt nur in der Zielgruppe, für die der Kredit bestimmt ist. Kreditnehmer bei einem Beamtenkredit sind nämlich Beamte sowie unkündbar Beschäftigte und Angestellte des öffentlichen Dienstes. Und weil sie einen sicheren Job und ein sicheres Einkommen haben, profitieren sie von besonders günstigen Konditionen.

Wer kann einen Beamtenkredit beantragen?

Wie der Name schon nahelegt, richtet sich der Beamtenkredit in erster Linie an Beamten. Doch auch andere Personen in einer unkündbaren Anstellung können den Kredit nutzen. Dazu gehören zum Beispiel Richter, Berufssoldaten oder Lehrer.

Je nach Bank sind die Voraussetzungen außerdem verschieden. So ist der Beamtenstatus oder ein vergleichbarer Status nicht unbedingt notwendig, um sich einen Beamtenkredit sichern zu können.

Oft vergeben Banken solche Kredite auch an Angestellte im öffentlichen Dienst und an Arbeitnehmer bestimmter Unternehmen. Beschäftigte bei gesetzlichen Versicherungen, Kirchen, städtischen Betrieben und (ehemals) staatlichen Unternehmen beispielsweise fallen in diese Gruppe.

Welche Vorteile bietet ein Beamtenkredit?

Wie schon erwähnt, ist ein Beamtenkredit ein normaler Ratenkredit. Er ist nicht zweckgebunden. Der Kreditnehmer kann also frei über das Geld verfügen und es so nutzen, wie er das möchte.

Durch seinen Beamten- oder beamtenähnlichen Status profitiert der Kreditnehmer aber von günstigeren Konditionen, als es sonst bei Ratenkrediten meist der Fall ist. Verglichen mit einem klassischen Ratenkredit, der an Arbeitnehmer oder Selbstständige vergeben wird, geht ein Beamtenkredit insbesondere mit folgenden Vorteilen einher:

  • niedrige Zinsen: Banken erheben einen Risikoaufschlag, um sich gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Dieser Aufschlag macht sich in der Zinshöhe bemerkbar. Weil Beamten über ein sicheres Einkommen verfügen und damit das Risiko für einen Zahlungsausfall niedrig ist, sind die Zinsen bei einem Beamtenkredit sehr günstig.

  • hohe Kreditsumme: In welcher Höhe eine Bank einen Kredit gewährt, richtet sich nach dem Nettoeinkommen. Die maximale Kreditsumme entspricht dann einer bestimmten Anzahl an Nettogehältern. Bei einem Beamtenkredit ist in aller Regel eine Summe möglich, die so hoch ist wie 18 bis 25 Monatsgehälter netto.

  • lange Laufzeit: Ein normaler Ratenkredit muss meist nach spätestens zehn Jahren zurückgezahlt sein. Bei einem Beamtenkredit beträgt die maximale Laufzeit oft zwölf Jahre oder noch länger. Und das bei festem, also gleichbleibendem Zinssatz.

Warum gewähren Banken Beamten günstigere Kredite?

Wenn eine Bank den Zinssatz für einen Kredit festlegt, hat sie einerseits die Kreditsumme und die Laufzeit im Blick. Andererseits ist für sie sehr wichtig, wie gut die Chancen stehen, dass sie das verliehene Geld wiederbekommt.

Aus diesem Grund überprüft die Bank die Kreditwürdigkeit. Dazu schaut sie sich an, wie viel der Antragsteller verdient, welche Vermögenswerte er besitzt und wie seine wirtschaftlichen Verhältnisse insgesamt sind.

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Außerdem prüft sie, wie hoch die monatlichen Ausgaben des Antragstellers sind und wie viel Geld übrig bleibt, wenn er alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt hat. Auch das Zahlungsverhalten in der Vergangenheit ist für die Bank interessant.

Kommt die Bank zu dem Ergebnis, dass der Antragsteller eine gute Bonität hat und das Ausfallrisiko eher gering ist, setzt sie den Zinssatz für den Kredit niedrig an. Andersherum verlangt sie umso höhere Zinsen, je höher sie das Ausfallrisiko einstuft. Das ist bei einem Arbeitnehmer oder Selbstständigen nicht anders als bei einem Beamten.

Allerdings haben Beamte einen großen Vorteil gegenüber Arbeitnehmern. Ihre Einkommensverhältnisse sind nämlich viel besser planbar. Das liegt daran, dass die Höhe des Gehalts durch Besoldungsgruppen, das Dienstalter und ein paar andere Faktoren gesetzlich geregelt ist.

Auch für die Versorgung im Krankheitsfall und später im Ruhestand gibt es verbindliche Vorgaben. Dazu kommt, dass ein Beamter praktisch unkündbar ist. Das Risiko, dass er arbeitslos wird und plötzlich ohne oder mit deutlich weniger Geld auskommen muss, besteht bei ihm damit nicht.

All das führt dazu, dass ein Beamter aus Sicht der Bank ein sicherer Kreditnehmer mit geringem Ausfallrisiko ist. Diese Sicherheit belohnt die Bank mit Kreditkonditionen, die üblicherweise günstiger sind als bei Arbeitnehmern und noch einmal viel attraktiver als bei Selbstständigen.

Eine Ausnahme kann dann gegeben sein, wenn der Antragsteller noch nicht verbeamtet, sondern nur Beamter auf Probe ist. In diesem Fall ist nicht klar, ob der Antragsteller wirklich zum Beamten auf Lebenszeit ernannt wird und damit seine solide und gut planbare Einkommenssituation während der gesamten Kreditlaufzeit beibehält. Deshalb kann gut sein, dass die Bank die Zinsen hier etwas höher ansetzt.

Ein Wort zur Restschuldversicherung

Banken sehen es gerne, wenn der Kreditnehmer zusammen mit dem Kredit eine Restschuldversicherung abschließt. Sie soll einspringen und die Zahlung der Kreditraten übernehmen, wenn der Kreditnehmer arbeitslos oder krank wird und den laufenden Kredit deshalb nicht mehr selbst bedienen kann.

Doch was in der Theorie gut und sinnvoll klingt, funktioniert in der Praxis oft nicht. Denn die Versicherungen haben viele Ausschlüsse, so dass sie ausgerechnet im Bedarfsfall nicht greifen. Gleichzeitig wird der Kredit dann nur unnötig teurer.

Ein Beamter braucht eine Restschuldversicherung noch weniger als ein Arbeitnehmer. Denn Arbeitslosigkeit muss er nicht fürchten und im Krankheitsfall ist er gut abgesichert. Bestenfalls bei einer Baufinanzierung kann eine zusätzliche Absicherung eine Überlegung wert sein. Doch auch hier ist weniger eine Restschuld-, sondern vielmehr eine Risikolebensversicherung sinnvoll.

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Matthias Kumpertz, 38 Jahre, Finanzberater und Marlene Heuer, 46 Jahre Finanzberaterin, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur der Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Finanzen, Kapital, Finanzierungen und Banken. Anleitungen, Investments und Finanzpläne für Verbraucher und Investoren.

2 Gedanken zu „Was ist ein Beamtenkredit?“

  1. Stimmt es wirklich, dass mit einem Beamtenkredit das 20-fachen des monatlichen Familieneinkommens möglich ist? Das erscheint mir um ehrlich zu sein einfach viel zu viel..

  2. Komisch, ich bin schon seit einem halben Jahr verbeamtet und höre zum ersten Mal von diesem Beamtenkredit.
    Liegt vielleicht auch daran, dass ich ihn bisher schlicht und ergreifend nicht brauchte 🙂

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