Kein Kredit als Rentner?

Kein Kredit als Rentner?

Der wohlverdiente Ruhestand ist erreicht und nun wäre endlich die Zeit da, um zu reisen, sich einem Hobby zu widmen oder sich andere Wünsche zu erfüllen. Doch allein mit der Rente lassen sich die Träume oft nicht finanzieren.

Also stellt sich die Frage: Wie stehen die Chancen, als Rentner einen Kredit zu bekommen?

Ein chices Auto, die längst überfällige Renovierung der Wohnräume, schöne neue Möbel, ausgiebige Urlaubsreisen, ein interessantes Hobby: Die Liste an Wünschen und Träumen ist oft lang. Und wenn das Arbeitsleben vorbei ist, wäre endlich genug Zeit da, um die Pläne in Angriff zu nehmen.

Wenn das liebe Geld nicht wäre. Zwar hat der Rentner mit seiner gesetzlichen Rente ein festes Einkommen und vielleicht sind auch noch eine Betriebsrente, eine private Zusatzrente, eine Lebensversicherung oder ein paar Ersparnisse vorhanden. Doch oft reichen die finanziellen Mittel nicht aus, um alle kleinen und größeren Wünsche zu realisieren.

Dann liegt die Überlegung, einen Kredit aufzunehmen oder bestimmte Anschaffungen als Ratenkauf zu tätigen, durchaus nahe. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die gestiegene Lebenserwartung einerseits und der demographische Wandel andererseits die Gesellschaft immer älter werden lassen. Und weil damit auch der Bedarf an Krediten von älteren Bankkunden steigt, sollten sich die Banken und Kreditinstitute längst auf diese Entwicklung eingestellt haben.

Doch die Realität sieht leider anders aus. Tatsächlich wird es mit zunehmendem Alter immer schwieriger, einen Kredit zu bekommen. Selbst bei Kleinkrediten und Ratenkäufen winken viele Anbieter ab, wenn der Antragsteller ein gewisses Alter erreicht hat. Aber heißt das im Klartext: Kein Kredit als Rentner?

Dieser Frage gehen wir im Folgenden nach:

 

Von der Wirtschaft umworben, von Banken verschmäht

Andere Lebensbedingungen und große Fortschritte in der Medizin sind zwei Faktoren, die zu einer höheren Lebenserwartung geführt haben. Natürlich haben Senioren andere Bedürfnisse, Interessen und Wünsche als Menschen in anderen Lebensphasen.

Gleichzeitig sorgt die Rente als festes und sicheres Einkommen dafür, dass Senioren als die wirtschaftlich stärkste Bevölkerungsgruppe gelten. Zumal sich im Alter auch die Ausgaben verändern und Geld verfügbar wird, das vorher für andere Kostenfaktoren wie beispielsweise Versicherungen oder berufsbedingte Ausgaben verwendet werden musste.

Insofern ist es kein Wunder, dass Senioren von der Wirtschaft heftig umworben und mit verschiedensten, speziell für Senioren entwickelten Produkten umschmeichelt werden. Doch was für die Wirtschaft gilt, sieht bei Banken und Kreditinstituten oft ganz anders aus. So zeigt die Praxis, dass sich die Banken sehr schwer damit tun, Kredite an Senioren zu vergeben.

 

Ein hohes Ausfallrisiko als Argument

Möchte ein Senior einen Kredit aufnehmen, wird sein erster Weg meist zur Hausbank führen. Schließlich führt er dort schon sein vielen Jahren sein Girokonto, hat vielleicht auch noch ein Sparbuch oder andere Geldanlageprodukte und bisher gab es bei der Zusammenarbeit nie nennenswerte Probleme.

Doch nun lehnt die Hausbank seinen Kreditantrag ab. Und auch andere Kreditinstitute, Filialbanken und Direktbanken ebenso wie Finanzvermittler, möchten den Kredit nicht gewähren. Und das obwohl der Senior nicht nur seine Altersrente als festes Einkommen, sondern mitunter noch zusätzliche Sicherheiten und eine tadellose Schufa vorweisen kann.

Wie ist das möglich? Banken und Kreditinstitute argumentieren mit dem deutlich höheren Ausfallrisiko bei Senioren. Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr, zu erkranken, zum Pflegefall zu werden oder gar zu sterben, lautet die Erklärung. Deshalb gibt es bei sehr vielen Geldhäusern interne Regelungen, nach denen an Personen, die über 65 oder 67 Jahre alt sind, grundsätzlich keine Kredite mehr vergeben werden.

 

Schlechtere Konditionen für Rentner als Kreditnehmer

Lehnt eine Bank die Kreditvergabe an Rentner nicht von vorneherein ab, so macht sich das höhere Ausfallrisiko in aller Regel bei den Kreditkosten bemerkbar.

So werden bei Senioren oft höhere Zinssätze in Rechnung gestellt. Außerdem wird nicht nur die Höhe der Kreditsumme begrenzt, sondern es werden häufig nur Kredite mit kurzen Laufzeiten bewilligt. Laufzeiten von mehr als drei Jahren sind selten möglich. Einige Banken verlangen auch eine selbstschuldnerische Bürgschaft oder einen zweiten Kreditnehmer als Gesamtschuldner.

Ein weiteres großes Thema ist die Restschuldversicherung. Auf den ersten Blick scheint die Restschuldversicherung auch eine gute Lösung für beide Seiten zu sein. Denn die Restschuldversicherung sichert die Kreditsumme ab und springt ein, wenn der Kreditnehmer die Kreditraten wegen Krankheit oder Tod selbst nicht mehr bezahlen kann.

Aber eine Restschuldversicherung ist generell recht teuer. Und weil auch die Restschuldversicherung nicht nur die Kreditsumme, sondern auch Risikofaktoren wie eben das Alter bei der Beitragsberechnung zugrunde legt, wird sie für Senioren mitunter so teuer, dass die Kosten in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zur Versicherungssumme stehen.

Dennoch empfehlen viele Kreditinstitute nicht nur den Abschluss einer Restschuldversicherung, sondern machen ihn zur Bedingung für die Kreditvergabe. Alles in allem müssen Senioren also mit schlechteren Kreditkonditionen rechnen. Selbst dann, wenn sie eigentlich deutlich bessere Voraussetzungen mitbringen als ein junger und gesunder Arbeitnehmer.

 

Der Gleichbehandlungsgrundsatz hilft nicht weiter

Grundsätzlich gilt der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz. Er verbietet es, jemanden aus bestimmten Gründen zu benachteiligen. Und das Alter ist ein solcher Grund, ebenso wie unter anderem auch das Geschlecht, die ethnische Herkunft, die Religion oder eine Behinderung.

Im Zusammenhang mit einem Kredit kann der Gleichbehandlungsgrundsatz aber nicht viel ausrichten. Denn ob ein Antragssteller als kreditwürdig eingestuft und ob ein Kreditantrag bewilligt wird, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Die Bank führt dazu eine Bonitätsprüfung durch und bewertet das Ausfallrisiko.

Dies erfolgt anhand von festgelegten Kriterien, die für alle Antragssteller gleich sind. Kommt die Bank zu dem Ergebnis, dass die Bonität nicht ausreicht oder das Risiko zu hoch ist, wird der Antragssteller als nicht kreditwürdig eingestuft und sein Kreditantrag abgelehnt.

Dennoch sollten es Senioren nicht stillschweigend hinnehmen, wenn ihnen ein Kredit verweigert wird, obwohl sie mit ihrer Rente die Ratenrückzahlung sicherstellen können und auch ansonsten eine ausreichend gute Bonitäten haben. Gleiches gilt, wenn die Bank plötzlich und ohne ersichtlichen Grund den Dispokredit kündigt oder die Kreditkarte zurückbehält.

Oder wenn ein Kauf auf Raten abgelehnt wird. Stattdessen sollten sich Senioren in einem solchen Fall die Absage samt Begründung schriftlich geben lassen und sich damit an eine Verbraucherzentrale, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, einen Seniorenverband oder die Medien wenden.

Denn je öfter solche Vorfälle an die Öffentlichkeit kommen, desto eher werden Banken und Kreditinstitute allein schon aus Imagegründen bereit sein, ihre Geschäftspraktiken zu überdenken. Und: Senioren sollten sich von einer Absage nicht gleich entmutigen lassen, sondern bei einem anderen Anbieter nachfragen.

 

Vorsicht bei sogenannten Rentnerkrediten!

Dass Senioren nicht ganz so einfach an Kredite kommen, ruft leider auch schwarze Schafe auf den Plan. Im Internet und in Zeitungen finden sich regelmäßig Anzeigen, in denen für sogenannte Rentnerkredite geworben wird. Solche Angebote sind jedoch mit größter Vorsicht zu genießen, vor allem dann, wenn die Konditionen zu gut und die Versprechen zu verlockend klingen.

Denn es gibt kein Finanzprodukt, das speziell als Darlehen für Rentner und Senioren konzipiert ist. Wenn ein Senior einen Kredit aufnimmt, so handelt es sich bei diesem Kredit um einen ganz normalen Ratenkredit.

Und Angebote, die schnell und unkompliziert Kredite speziell für Rentner versprechen, sind selten seriös. Vielmehr basieren diese Angebote auf der gleichen Masche, mit der auch Arbeitslose, Personen mit negativer Schufa oder Menschen in schwierigen finanziellen Verhältnissen geködert werden sollen.

 

Ein Tipp zum Ausfüllen des Kreditantrags

Sucht der Senior bei einer Direktbank oder über ein Vergleichsportal nach einem konkreten Kreditangebot, ist wichtig, dass er die Maske richtig ausfüllt. Andernfalls fällt sein Antrag schon bei der Vorprüfung durchs Raster. Entscheidend sind dabei vor allem die Angaben zur Beschäftigung:

  • Bei der Art der Beschäftigung sollte der Senior die Option “Angestellter” auswählen. (Arbeitnehmer ist er als Rentner nicht mehr, aber arbeitslos oder selbstständig ist er auch nicht. Und durch seine Rente hat er ein festes und sicheres Einkommen, das von der gesetzlichen Rentenversicherung bezahlt wird.)
  • Beim Beruf findet der Senior die Auswahlmöglichkeit “Rentner”. Was den Arbeitsbereich angeht, sollte er “Sonstige” ankreuzen.
  • Als Beschäftigungsbeginn sollte der Senior das Datum eintragen, ab dem er seine Rente bezieht.

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